Das Museum

Entstehung

Die erste Erwähnung Niddaer Juden finden wir im Jahr 1377, von da an haben immer wieder Juden hier ihre Heimat gehabt. Schriftliche Nachrichten hierüber gibt es jedoch erst ab dem 17. Jahrhundert. Die Blütezeit jüdischen Lebens in Nidda war das 19. Jahrhundert und der Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Shoa.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und mit der Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten ging das jüdische Leben von Nidda zu Ende. Einzig und allein vier Friedhöfe erinnerte daran - nur zwei sind noch zu erkennen. Bei den wenigen alten Niddaern sind noch viele Erinnerungen erhalten: an einzelne Personen, an die "jüdischen Geschäfte", an das Gebäude der Synagoge - und auch daran, was mit ihnen in jenen Jahren in Nidda selbst und danach geschehen ist.....

Schon als kleiner Junge bin ich auf dem Weg von der alten zur neuen Schule an der zu einem Wohnhaus umgebauten Synagoge vorbeigegangen; irgendjemand hat mir dann gesagt, dass dieses Gebäude einmal die Synagoge war. Nach meiner Realschulzeit begann ich auf der Bürgermeisterei eine Lehre und erfuhr auch hier viele Dinge der jüdischen Geschichte von Nidda. Von nun an sammelte ich alles, was mit den Niddaer Juden zu tun hatte. Vor allem fand ich auf dem Speicher des Rathauses textile synagogale Dinge, die ich mit Wissen des Bürgermeisters an mich nahm und so der Nachwelt erhielt. Es kamen immer mehr Dinge, Nachrichten und Fakten zusammen - meine Wohnung platzte aus allen Nähten. Und die Jahre vergingen.

Steffi Lupp geb. Böhm, die Frau meines (gefühlten) Bruders Henning Lupp - er und ich sind die ersten sieben Jahre gemeinsam in einer Wohnung aufgewachsen - regte Anfang der 90er Jahre einmal an, mit dem Sammeln von erhaltenen Dingen der Juden von Nidda zu beginnen. Sie wurde zur Sponsorin der "Fragmente jüdischen Lebens in Nidda", ein Buch, das alle bisher zusammengetragenen Fakten und Bilder enthielt. Es wurde von Ignatz Bubis am 25. Juni 1995 in Nidda der Bevölkerung präsentiert.

Bei den weiteren Forschungen über dieses Thema taten sich mehrere Personen durch ihr starkes Interesse hervor. Günther und Marianne Marquardt sind hier besonders zu erwähnen. Gerti Rafailidis geb. Cloos, stellte bereitwillig das Archiv der Cloos'schen Erben zur Verfügung.

Von Günther Marquardt kam auch die Information, dass das Gebäude Raun 62 versteigert würde. Ich konnte das Haus, in dem bis zu ihrer Auswanderung nach Amerika die Familie Sally Stern gewohnt hatte, beim Amtsgericht ersteigern. Es sollte das jüdische Museum aufnehmen.

Zusammen mit Freunden und Bekannten begannen wir, das Haus herzurichten. Mittlerweile hatte sich zwischen dem ehemaligen Niddaer Jungen Fred S. Strauss in New York und mir eine herzliche Freundschaft entwickelt. Ich hatte zwar das Haus auf meinen Namen erworben, und war eigentlich auch bereit, es unter meinem Namen zu führen; Fred S. Strauss erklärte sich aber bereit, das Haus zu sponsern. Dafür trägt es den Namen "Zimmermann Strauss Museum"!

Um das durchführen zu können, gründeten wir den Verein "Jüdisches Museum Nidda e.V.", der in das Vereinsregister eingetragen wurde und die Gemeinnützigkeit erhielt.

Pfarrer Wolfgang G. Stingel vor dem Museum

Im Jahr 2001 erschien die Untersuchung zur Lokalgeschichte des oberhessischen Landjudentums mit dem Titel: "Jüdisches Leben in Nidda im 19. und 20. Jahrhundert". Die Untersuchung erfolgte im Rahmen meines Promotionsverfahrens, das an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main - Fachbereich Katholische Theologie - erfolgreich beendet wurde.

Parallel hierzu wurde im August 2001 der Verein "Jüdisches Museum Nidda e.V." gegründet, der wenige Zeit später in Nidda ein Jüdisches Museum einrichtete.

Sowohl die "Fragmente jüdischen Lebens in Nidda", (1995) als auch das Buch "Jüdisches Leben in Nidda im 19. und 20. Jahrhundert" (2001) sind beim Autor erhältlich, letzteres auch im Buchhandel. Weitere Informationen dazu finden Sie links im Menü unter "Bücher".


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